A
ACT (Action, Collaboration, Transformation initiative)
ACT ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, die 2015 von Gewerkschaften, Modemarken und Herstellbetrieben mit dem Ziel gegründet wurde, bessere Löhne und faire Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie zu fördern. Die Initiative legt einen besonderen Fokus auf die Förderung verantwortungsvoller Einkaufspraktiken sowie Maßnahmen zur Unterstützung der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf Kollektivverhandlungen in Produktionsstätten. Die Zahlung existenzsichernder Einkommen/Löhne soll durch Kollektivverhandlungen erreicht werden, eine Referenz zur Anker-Methode o. Ä. gibt es nicht. Zu den Mitgliedern der Initiative gehören u. a. der internationale Gewerkschaftsverband IndustriALL Global Union, Zalando, Tchibo und Lidl.
Agrarökologie
Der Begriff wurde anlässlich der Welternährungskonferenz 1996 von der internationalen Kleinbäuerinnen-, Kleinbauern- und Landarbeiter*innenbewegung „La Via Campesina“ („der bäuerliche Weg“) als Alternativkonzept zur vorherrschenden industriellen Landwirtschaft geprägt. Das ganzheitliche Konzept der Agrarökologie bietet zahlreiche Lösungen für einen grundlegenden Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme und zeigt einen Weg hin zur Ernährungssouveränität. Diese beinhaltet Landreformen, die Achtung der Rechte der Bäuerinnen, Bauern und Landarbeiter*innen, die Ablehnung des Einsatzes von Gentechnik in der Landwirtschaft, den Schutz von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vor billigen Importen (Dumping) und soziale Gerechtigkeit.
Anker-Methode
Mitgliedsorganisationen der ISEAL Alliance, ein globales Netzwerk von Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungsorganisationen, haben sich in dem Bündnis Global Living Wage Coalition zusammengeschlossen, um gemeinsam basierend auf einer Methode des pensionierten Ökonomen Richard Anker eine existenzsichernde Lohnhöhe zu ermitteln. Eine existenzsichernde Entlohnung wird hierbei durch die Erhebung qualitativer (Vergleich mit gewerkschaftlich organisierten Fabriken) und quantitativer (Berechnung der benötigten Lohnhöhe in der Region) Daten ermittelt und eine Strategie erarbeitet, wie man die Löhne schrittweise erhöhen kann. Die Fortschritte werden systematisch mit Indikatoren und Meilensteinen überwacht und dokumentiert. Hierzu legt das Bündnis in einer globalen Datenbank Richtwerte für existenzsichernde Lohn-Vergleichsmaßstäbe in einem Land/einer Region und in einer Industrie fest. Lokale Informationen und kulturelle Besonderheiten fließen jedoch nur begrenzt in die Datenerfassung ein.
Audit
Als Audit wird eine formelle Kontrolle der Geschäftsbücher und Finanzberichte auf ihre Richtigkeit bezeichnet. Ein Audit sollte von externen unabhängigen Personen durchgeführt werden. Beim Sozial-Audit werden Belege (z. B. Arbeitszeitenerfassung, Lohnzettel) untersucht und auf ihre Richtigkeit überprüft. Teilweise werden Gespräche mit einzelnen Beschäftigten geführt. Um Lohnzahlungen zu beurteilen, müssen die Kontrollen Arbeitszeit und auch Entlohnungsgrundsätze wie Akkordlohn berücksichtigen. Das Management-System-Audit prüft, ob die Geschäftsfelder des Unternehmens so ausgestaltet sind, dass die Einhaltung des Verhaltenskodex möglich ist.
B
Beschaffungspolitik
Die Beschaffungspolitik eines Unternehmens (englisch: procurement policy) legt den Rahmen fest, nach dem der Einkauf von Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Unternehmens erfolgen muss. Sie gibt Raum, neben ökonomischen Aspekten auch einen besonderen Fokus auf soziale und ökologische Kriterien zu legen und ist somit eine wichtige Stellschraube, um eine institutionelle Transformation anzustoßen und umzusetzen.
Beschwerdemechanismus
Ein Beschwerdesystem vor Ort sollte von unabhängigen lokalen Akteur*innen betreut werden. Sie prüfen etwaige Beschwerden und geben sie an das Unternehmen oder die Standardinitiative weiter. Das Beschwerdesystem muss den Beschäftigten vorgestellt werden, die Ansprechpersonen vor Ort müssen bekannt sein und die Sozialstandards müssen in der jeweiligen Landessprache öffentlich aushängen. Im besten Fall fließen die Beschwerden in die Risikoanalyse und Audits ein.
D
Detoxverpflichtung
Greenpeace fordert in seiner Detox-Kampagne, dass Unternehmen auf gefährliche Chemikalien in der Textilproduktion verzichten. Inzwischen haben 80 Unternehmen, darunter Aldi, Adidas, C&A, H&M, Lidl und Rewe sich öffentlich verpflichtet, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen in den Textilien zu ersetzen.
Diversifizierung
Diversifizierung oder Diversifikation bedeutet in der Landwirtschaft, dass Produzierende eine bestimmte Mindestanzahl unterschiedlicher Kulturpflanzen gleichzeitig anbauen. Anbau-Diversifizierung ist nicht mit Fruchtfolge gleichzusetzen.
E
Einkaufspraktiken
Einkaufspraktiken beschreiben, wie ein Unternehmen seine Beschaffung im Rahmen seiner Beschaffungspolitik gestaltet. Damit Arbeits- und Sozialstandards in der Zulieferkette eingehalten werden, sollten Unternehmen faire, verlässliche Praktiken verfolgen: etwa langfristige Lieferbeziehungen, angemessene Preise und vorausschauende Produktionsplanung. Kontrollsysteme sollten nicht nur die Zulieferer prüfen, sondern auch das eigene Einkaufsverhalten, das diese Standards wesentlich beeinflusst.
Endogenes Wissen
Der Austausch von Wissen ist ein zentraler Bestandteil von Agrarökologie. Dabei ist insbesondere wichtig, nicht nur das Wissen von Wissenschaftler*innen zu berücksichtigen, sondern auch lokales Wissen, z. B. das Wissen von Produzent*innen und Händler*innen, wertzuschätzen und zu teilen.
EUDR (EU-Entwaldungsverordnung)
Die EUDR soll sicherstellen, dass Produkte wie Soja, Palmöl, Kaffee, Holz, Fleisch, Kakao und Kautschuk nur in die EU importiert werden, wenn keine illegale Abholzung oder Waldschädigung damit verbunden ist. Die Verordnung berücksichtigt auch menschenrechtliche Risiken, etwa Landkonflikte oder die Vertreibung indigener Gemeinschaften. Unternehmen müssen Herkunftsnachweise erbringen, Risiken in ihren Lieferketten prüfen und Präventionsmaßnahmen umsetzen. Ziel ist der Schutz von Wäldern und die Achtung von Menschenrechten entlang globaler Lieferketten.
Existenzsichernde Einkommen/Löhne (decent income/living wages)
Existenzsichernde Einkommen/ Löhne gewährleisten, dass Arbeiter*innen sowie Kleinbäuer*innen die Ausgaben für ein menschenwürdiges Leben – etwa Nahrung, Unterkunft, Kinderbetreuung, Bildung und Gesundheitsversorgung – decken können. Während Löhne direkt bezahlt werden, sind für Kleinbäuer*innen stabile und gerechte Preise entscheidend, um nachhaltig von ihrer Arbeit zu leben und in ihre Betriebe zu investieren. Anreize sollten über Boni statt Akkordarbeit gestaltet werden. Mindestlöhne hingegen werden politisch oft niedrig angesetzt und orientieren sich kaum an den tatsächlichen Lebenshaltungskosten.
F
Fairer Handel (fair trade)
Der Faire Handel ist zu Beginn der 1970er-Jahre als Gegenbewegung zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels entstanden: Während Handelsliberalisierung, Preisdruck und die zunehmende Marktmacht großer Unternehmen in dieser Zeit zu unsicheren Absatzbedingungen und sinkenden Einkommen für Produzent*innen im Globalen Süden führten, setzte der Faire Handel bewusst auf Partnerschaft, faire Preise und langfristige Beziehungen. Konfessionelle Jugendverbände wollten auf die ungerechten Welthandelsstrukturen aufmerksam machen. Als Fairer Handel wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, bei dem die Erzeuger*innen für ihre Produkte einen Mindestpreis erhalten, der von einer Organisation des Fairen Handels bestimmt wird. Zu diesen Organisationen zählen u. a. Gepa, Weltpartner oder BanaFair.
FPIC (Free, Prior and Informed Consent)
Die freie vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) ist ein international anerkanntes Prinzip, das sich auf das Recht auf Selbstbestimmung indigener Völker stützt. Es ist u. a. in der ILO-Konvention 169 (1989) und der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker (UNDRIP, 2007) verankert. Es ermöglicht indigenen Gemeinschaften, über Projekte, die ihr Land, ihre Ressourcen oder Lebensgrundlagen betreffen, frei vorher und informiert zu entscheiden. Es geht über herkömmliche Umwelt- oder Sozialverträglichkeitsprüfungen hinaus und soll u. a. Landraub, Umweltzerstörung und Übernutzung natürlicher Ressourcen verhindern. FPIC ist nicht rechtlich bindend, kann aber in nationalen Gesetzen verankert sein und dort verbindliche Wirkung entfalten, wie dies beispielsweise in Bolivien, Kanada und auf den Philippinen der Fall ist.
Fruchtfolge
Als Fruchtfolge wird die zeitliche Abfolge beim Anbau von Nutzpflanzenarten im Ablauf der Vegetationsperiode bezeichnet. Findet kein Fruchtwechsel statt, wird von einer Monokultur gesprochen. Nachteile von Monokulturen sind Schädlingsbefall oder eine einseitige Nährstoffverarmung der Böden, die oft einen erhöhten Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln notwendig machen. Besonders im ökologischen Landbau findet die vielseitige Fruchtfolge und eine schonende Bodenbearbeitung Anwendung.
G
Gemeinwohl-Ökonomie
Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) beschreibt als Konzept eine alternative Wirtschaftsform zur kapitalistischen Marktwirtschaft, die das Allgemeinwohl statt Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt stellt. Dabei soll sich wirtschaftliches Handeln an Werten wie Ehrlichkeit, Kooperation, Solidarität, Wertschätzung und Vertrauen orientieren und auf die Verbesserung von Lebensqualität und Nachhaltigkeit abzielen. In basisdemotischen Prozessen wird definiert, was das Gemeinwohl fördert, und anhand einer Gemeinwohl-Bilanz gemessen, wie erfolgreich Unternehmen und Produkte diese Ziele umsetzen.
Global Framework Agreements (GFA)
Global Framework Agreements (GFAs, früher International Framework Agreements) sind freiwillige, individuell ausgehandelte Abkommen zwischen internationalen Branchengewerkschaften (z. B. IndustriALL, UNI Global Union) und transnationalen Unternehmen. Die meisten GFAs wurden in den 2000er Jahren geschlossen; heute existieren über 300 Abkommen. Sie basieren auf den ILO-Kernarbeitsnormen und fördern Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen sowie die Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen. GFAs enthalten Verhaltensregeln und Monitoringmechanismen, meist durch lokale Gewerkschaften. Einheitliche Regelungen zu Löhnen gibt es nicht und eine Bewertung der Wirksamkeit ist nur fallbezogen möglich.
Globaler Süden
Der Begriff Globaler Süden ist kein geografisch exakt abgegrenzter, sondern ein politisch-ökonomischer Sammelbegriff. Er wird genutzt, um Länder und Positionen zu bezeichnen, die historisch, wirtschaftlich, politisch oder sozial benachteiligt sind. Globaler Norden hingegen benennt eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedlichen Erfahrungen mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als Ausgebeutete, einmal als Profitierende. Die Einteilung Süd und Nord ist zwar auch geografisch gedacht, aber nicht ausschließlich. Mit dem Begriffspaar wird versucht, unterschiedliche Positionen in einem globalen Kontext zu benennen, ohne dabei wertende Beschreibungen wie z. B. „entwickelt“ zu benutzen.
GVOs (Gentechnisch veränderte Organismen)
Ein Organismus, mit Ausnahme des Menschen, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt, wird laut dem Deutschen Gentechnikgesetz als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) bezeichnet. In der (industriellen) Landwirtschaft werden GVOs v. a. verwendet, um höhere Erträge zu erwirtschaften, z. B. in Form von neu entwickeltem Saatgut, das resistent gegen bestimmte chemische Pflanzenschutzmittel ist. Als Folge werden oftmals mehr chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft eingesetzt und die Entwicklung von Resistenzen bei anderen Pflanzen und Tieren beschleunigt. Darüber hinaus sind auch gesundheitliche Gefahren für Menschen und Tiere durch die Verwendung von GVOs in der Landwirtschaft möglich.
I
IFOAM
IFOAM ist seit 1972 die internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen. Aktuell gibt es über 800 Mitglieder in über 100 Ländern. Ziel ist es u. a., den Vergleich sowie die gegenseitige Anerkennung von ökologischen Standards zu vereinfachen.
ILO-Kernarbeitsnormen
Die Internationale Arbeitsorganisation / International Labour Organisation (ILO) ist die älteste der UN-Organisationen. Sie fördert soziale Gerechtigkeit, Menschen- und Arbeitsrechte und hat in diesem Zusammenhang internationale Arbeitsstandards erarbeitet. Fünf Grundprinzipien bestimmen das Selbstverständnis und das Handeln der ILO, die seit 1998 in zehn Übereinkommen, den so genannten ILO-Kernarbeitsnormen, ihre konkrete Ausgestaltung erfahren haben:
• Vereinigungsfreiheit sowie das Recht auf Kollektivverhandlungen (Nr. 87 & 98)
• Beseitigung der Zwangsarbeit (Nr. 29 & 105)
• Verbot ausbeuterische Kinderarbeit (Nr. 138 & 182)
• Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (Nr. 100 & 111)
• Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (Nr. 155 & 187, seit 2022)
Die ILO-Kernarbeitsnormen decken die wichtigsten Rechte für Arbeiter*innen ab. Normen zu einem existenzsichernden Lohn oder zu einem sicheren Beschäftigungsverhältnis sind hier noch nicht enthalten. Alle Mitgliedsstaaten der Organisation sind zur Einhaltung dieser Kernarbeitsnormen verpflichtet, selbst wenn sie nicht alle darin enthaltenen Normen einzeln ratifiziert haben.
Integrierter Pflanzenschutz
Durch den integrierten Pflanzenschutz soll ein möglichst effizienter Schutz vor Schadorganismen bei gleichzeitig möglichst geringer Anwendung von Pestiziden erreicht werden. Eine Kombination biologischer, pflanzenzüchterischer und anbautechnischer Maßnahmen soll dazu führen, dass chemische Pflanzenschutzmittel nur im notwendigen Maße verwendet werden. Besonders im ökologischen Landbau wird weitgehend auf den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet. Dies bedeutet, dass die Landwirt*innen dazu angehalten werden, vorbeugende Methoden gegen Schädlinge und Krankheiten vor dem Einsatz von Pestiziden zu nutzen.
ISEAL Alliance (International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance)
Der Zusammenschluss aus internationalen Zertifizierungsorganisationen aus den Bereichen Holz, Fischerei, Bio und Fairer Handel wurde Ende der 1990er-Jahre gegründet. Das Bündnis zielt auf die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und vertritt gemeinsame Interessen nach außen. Die ISEAL Alliance definiert beispielsweise Standards und überprüft die Kriterien der jeweiligen Mitgliedsorganisation. Alle standardsetzenden Organisationen, die Mitglied der ISEAL Alliance sind, müssen den Impacts Code (Wirkungscode) implementieren und öffentlich über Ergebnisse berichten. Dieser hilft Standardsystemen dabei, die Ergebnisse der Überprüfungen der Nachhaltigkeitskriterien nachzuvollziehen und die Effektivität ihrer Programme einzuschätzen. Der Impacts Code bietet ein Rahmenwerk, mit dem ein Monitoring- und Evaluierungssystem entwickelt werden kann, das sowohl kurz- als auch langfristige Wirkungen erfassen kann.
ISO-Normen 9000/14000/17025/17065
Eine ISO-Norm ist eine von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) publizierte Norm zur Qualitätssicherung von Dienstleistungen nach festgelegten Regeln. Die Umweltnorm ISO 14000 bezieht sich auf die mit Produktionsprozessen verbundenen Fragen des Umweltmanagements. Unter Umweltmanagement werden u. a. die Identifikation und Kontrolle von Umweltauswirkungen sowie die Verbesserung der Umweltverträglichkeit verstanden. Die Norm ISO 9000 beschreibt Anforderungen an das Managementsystem eines Unternehmens. Die Norm ISO 17065/17025 enthält Grundsätze und Anforderungen für die Kompetenz und Unparteilichkeit der Zertifizierung u. a. von Prozessen sowie für die Stellen, die diese Tätigkeiten anbieten.
J
Just Transition
Das Konzept des gerechten Übergangs (Just Transition) entstand in der Arbeiter*innenbewegung der 1980er-Jahre in den Vereinigten Staaten. In dieser Zeit wurden in den USA mehrere Vorschriften zur Verhinderung von Luft- und Wasserverschmutzung eingeführt, was zur Schließung schmutziger Industrien und zum Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen führte. In der Folge etablierten gut organisierte Gewerkschaften das Konzept des „gerechten Übergangs“. Seitdem wurde das Konzept von Gewerkschaften auf der ganzen Welt bekräftigt, einschließlich der ILO-Leitlinien im Jahr 2015, und fand mit der Erklärung zum gerechten Übergang auf der COP26 (2021) in Glasgow Eingang in die internationale politische Arena. Marginalisierte Gruppen sollten in allen Prozessen des gerechten Übergangs eine Schlüsselrolle spielen und Fragen der sozialen Gerechtigkeit sollten im Mittelpunkt der Debatte stehen. Wir konzentrieren uns somit in dem vorliegenden Labelvergleich nicht nur auf den sozio-technischen Übergang von Rohstoffen (Übergangsmanagement, Nischeninnovationen und technologische Veränderungen), sondern auch auf grundlegende Änderungen des wirtschaftlichen und politischen Systems.
K
Klimakrise
Die Klimakrise beschreibt die durch menschliche Aktivitäten verursachte Erderhitzung und ihre ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen. Neben Extremwetterereignissen, Dürren und Überschwemmungen bedroht sie auch die Einhaltung grundlegender Menschenrechte, etwa das Recht auf Nahrung oder Gesundheit. Besonders betroffen sind Bevölkerungsgruppen im Globalen Süden, die am wenigsten zum Problem beitragen, aber die gravierendsten Auswirkungen tragen müssen. Der Begriff „Krise“ verdeutlicht die Dringlichkeit und die tiefgreifen den sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen, die über den rein naturwissenschaftlichen Aspekt des „Klimawandels“ hinausgehen.
Kohlenstoffsenken
Kohlenstoffsenken sind natürliche Ökosysteme wie Wälder, Böden, Moore und Savannen, die CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. Labels können Maßnahmen fördern, die den Aufbau, Erhalt und Schutz dieser Senken unterstützen, etwa Aufforstung, nachhaltige Landwirtschaft oder Moorrenaturierung. Problematisch werden Senken, wenn sie als Ersatz für echte Emissionsreduktionen innerhalb der Aktivitäten des Geschäftsbereichs genutzt werden.
Korrekturmaßnahmen
Korrekturmaßnahmen sollten vorgenommen werden, wenn bei der Kontrolle Verstöße gegen die Arbeitsrichtlinien festgestellt wurden. Ein Anpassungs- oder Korrekturplan setzt fest, welche korrigierenden Maßnahmen durchgeführt und in welchem Zeitraum die Verstöße eingestellt werden sollen.
M
Mengenbilanzierung (Mass Balance)
Die Rückverfolgbarkeit der einzelnen zertifizierten Komponenten ist bei Produkten mit Mengenbilanzierung nicht gegeben. Ein Beispiel dafür sind Fairtrade-gelabelte Produkte mit Mengenausgleich. Die fair gehandelte Rohware wird nicht von der nicht fair gehandelten Ware getrennt, so bei Kakao, Rohrzucker, Tee, Kakao und Fruchtsaft. Der Mengenausgleich ist vergleichbar mit dem Ökostrommodell: Liefert ein produzierendes Unternehmen z. B. zehn Tonnen Fairtrade-Inhaltsstoffe an eine Fabrik, darf die Fabrik zehn Tonnen des verarbeiteten Inhaltsstoffes als Fairtrade verkaufen. Sowohl in den zertifizierten als auch in nicht zertifizierten Endprodukten sind jeweils entsprechend berechnete Fairtrade- und konventionelle Inhaltsstoffe enthalten.
Menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung/ -pflichten (Due Diligence)
Als menschenrechtliche Sorgfaltspflicht wird die unternehmerische Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte bezeichnet. Diese umfasst z. B. die kontinuierliche Analyse der Auswirkungen der eigenen Tätigkeit und Geschäftsbeziehungen auf die Menschenrechte (unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft) sowie das Ergreifen von effektiven Gegenmaßnahmen, um Missstände zu beheben und wiedergutzumachen. Unter menschenrechtlicher Sorgfaltsprüfung versteht man den strukturierten Prozess, mit dem Unternehmen Risiken für Menschenrechtsverletzungen systematisch identifizieren, bewerten, priorisieren und dokumentieren. Die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten sind international anerkannt und in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs) festgeschrieben. Sie bilden die Basis verschiedener nationaler Gesetzesinitiativen zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten, darunter das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (Deutschland, 2021) und die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (EU, 2024).
Meta-Siegel-Ansatz
Ein Meta-Siegel-Ansatz bewertet und bündelt bestehende Nachhaltigkeitssiegel, um deren Glaubwürdigkeit und Transparenz für Verbraucher*innen zu erhöhen. Ein Beispiel ist das staatliche deutsche Textilsiegel Grüner Knopf. Solche Meta-Siegel können Transparenz schaffen, bergen jedoch die Gefahr, soziale und ökologische Standards zu verwässern, wenn die zugrunde liegenden Anforderungen zu schwach definiert oder unzureichend kontrolliert werden.
Monitoring
Kontrollen des Arbeitsalltags in den Produktionsstätten sowie die Überwachung der Einhaltung eines Standards. Ein internes Monitoring muss es sowohl bei Verifizierungen als auch bei Zertifizierungen geben.
Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI)
MSI vereinen Unternehmen, Gewerkschaften, NROs und teils staatliche Stellen, um gemeinsam Standards und Kontrollmechanismen zu entwickeln. Ziel ist eine partnerschaftliche Lösung sozialer und ökologischer Probleme in globalen Lieferketten. Dies kann strukturelle Veränderungen anstoßen, ist jedoch freiwillig, oft komplex in der Umsetzung und meist ohne direkte Produktkennzeichnung.
N
NRO (Nichtregierungsorganisation) / NGO (Non-governmental organization)
Der Begriff NRO beschreibt grundsätzlich einen Verband oder eine Gruppe, die gemeinsame Interessen vertritt, nicht gewinnorientiert und in ihren Entscheidungen nicht von Regierungen oder staatlichen Stellen abhängig ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff NRO (englisch: NGO) besonders für Organisationen durchgesetzt, die sich gesellschaftspolitisch engagieren, z. B. in den Bereichen Entwicklungs-, Umwelt- und Menschenrechtspolitik.
O
OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sind ein freiwilliger Verhaltenskodex, der Richtlinien für verantwortungsvolles Handeln global agierender Unternehmen formuliert. Sie decken Themen wie Menschenrechte, Umwelt, Korruptionsbekämpfung, Beschäftigung sowie Verbraucher*inneninteressen ab. Neben den UNGPs zählen die Leitsätze zu den zentralen Referenzdokumenten im Kontext menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen. Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, die Umsetzung der Leitsätze zu fördern – u. a. durch die Einrichtung einer Nationalen Kontaktstelle, die als Anlaufpunkt für Zivilgesellschaft, Unternehmen und andere Akteur*innen fungiert und bei der Beschwerden über Verstöße gegen die Leitsätze eingereicht werden können.
P
PAN-Liste
Die Liste hochgefährlicher Pestizide des Pesticide Action Network (PAN) listet 358 (Stand Dezember 2024) Wirkstoffe auf, die für Menschen, Tiere und die Umwelt besonders gefährlich sind. Dazu zählen Pestizide, die als krebserregend, fortpflanzungsschädigend, erbgutverändernd, ozonschädlich oder hoch bienengefährlich eingestuft sind.
Peer Review
Peer Review ist ein Verfahren der Qualitätssicherung, bei dem wissenschaftliche Arbeiten, Studien oder Standards durch unabhängige Fachkolleg*innen geprüft werden. Ziel ist es, die Validität und Glaubwürdigkeit von Ergebnissen oder Verfahren sicherzustellen. Auch in der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards kommt Peer Review zum Einsatz. Die WFTO nutzt dieses Verfahren als Teil ihres Garantiesystems: Mitgliedsorganisationen werden durch Fachleute von anderen Mitgliedern überprüft, um Transparenz, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit zu sichern und so Greenwashing vorzubeugen.
Preisprämien
Preisprämien sind ein gängiges Instrument im Fairen Handel, das einen Preisaufschlag für Produzierende vorsieht. Dieser wird in gemeinschaftliche Projekte zur Verbesserung der Lebensgrundlage, wie Bildung oder Gesundheitsvorsorge, investiert.
S
Schulungen
Ergänzende Maßnahmen von Nachhaltigkeitsinitiativen und den von ihnen zertifizierten Unternehmen wie Schulungen in Arbeitsrechten oder Arbeitsschutz sollten gefördert werden. Kontrollen allein führen nicht zu Verbesserungen und stellen nur eine Momentaufnahme dar, daher ist der Aufbau von Kompetenzen zentral.
SIN List-ChemSec
Die SIN (Substitute It Now!) List ist eine Datenbank, welche vom International Chemical Secretariat erarbeitet wird und aktuell ca. 1.500 gefährliche Chemikalien führt, die in verschiedenen Industrien zum Einsatz kommen und deren Nutzung eine Gefährdung für Umwelt und/oder menschliche Gesundheit darstellt. Die Datenbank schlägt zudem alternative Inhaltsstoffe zur Förderung eines Ausstiegs vor.
U
UNDRIP (United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples)
Die UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker wurde 2007 als erstes umfassendes UN-Rechtsinstrument verabschiedet, das die Rechte indigener Völker anerkennt. In der Erklärung wird u. a. die Notwendigkeit betont, indigene Gemeinschaften in allen sie betreffenden Angelegenheiten zu konsultieren und ihre Zustimmung einzuholen (siehe auch FPIC). Des Weiteren werden ihr Recht auf Selbstbestimmung, Recht auf Land, Zugang zu natürlichen Ressourcen und ihre traditionellen Wissensformen geschützt.
UNDROP (United Nations Declaration on the Rights Peasants)
Die UN-Erklärung über die Rechte von Kleinbäuerinnen und -bauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten (UNDROP), wurde 2018 von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Sie ist das erste UN-Rechtsinstrument, welches die Agrarökologie anerkennt. UNDROP bietet einen menschenrechtlichen Rahmen für den Übergang zur Agrarökologie und unterstützt die Beziehung zwischen Agrarökologie, dem Recht auf Nahrung, internationalem Umweltrecht und internationalen Menschenrechten. Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern bilden die Grundlage der Agrarökologie und UNDROP stellt die Bäuerinnen und Bauern, die Landarbeiter*innen und die lokalen Gemeinden in den Mittelpunkt sämtlicher Politiken und Gesetze.
UNGPs (UN Guiding Principles on Business and Human Rights)
Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte stellen seit 2011 einen global anerkannten Rahmen für unternehmerische Verantwortung in Bezug auf Menschenrechte. Sie beruhen auf drei Säulen: der staatlichen Pflicht zum Schutz der Menschenrechte, der unternehmerischen Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte und dem Zugang zu wirksamer Abhilfe für Betroffene. Mit den UNGPs wurden erstmals Menschenrechte ausdrücklich mit unternehmerischem Handeln verknüpft und ein globaler Referenzrahmen für umwelt- und sozialverantwortliche Geschäftspraktiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschaffen. Die Leitsätze sind ein wichtiges Referenzinstrument, zählen jedoch zu nicht verbindlichem Recht.
V
Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen gehören zu den Grundprinzipien, die das Selbstverständnis und Handeln der ILO bestimmen (siehe dort: Normen 97 und 98). Durch die Förderung und Beteiligung von Gewerkschaften wird die Glaubwürdigkeit von Siegeln erhöht. Sie müssen eine aktive Rolle spielen, wenn es um die Interessen von Beschäftigten geht, sowohl bei der Standardsetzung als auch bei den Kontrollen vor Ort. Gewerkschaften sollten auch direkten Kontakt zu den Beschäftigten in den zertifizierten Firmen/Plantagen aufnehmen, um ihnen mit Informationen zu ihren Rechten zu helfen und aktiv neue Mitglieder werben zu können.
Verhaltenskodex
Ein Verhaltenskodex im Bereich globales Wirtschaften ist eine Selbstverpflichtung von Unternehmen, in der dazu aufgerufen wird, Geschäftstätigkeiten auf eine bestimmte Art und Weise umzusetzen oder bestimmte Praktiken zu unterlassen. Dazu können z.B. die Einhaltung von definierten Sozial- und Umweltstandards entlang der eigenen Lieferkette zählen. Ob ein Verhaltenskodex glaubwürdig und wirksam ist, hängt v. a. davon ab, wie die enthaltenen Verhaltensregeln überprüft werden und ob über entsprechende Untersuchungen und Korrekturmaßnahmen öffentlich berichtet wird.
Verifizierung
Als Verifizierung wird die Überprüfung eines Monitoringprozesses bezeichnet. Die unabhängige Verifizierung erfolgt im Rahmen einer Multi-Stakeholder-Initiative und zielt darauf ab, herauszufinden, ob der Monitoringprozess des Unternehmens die wichtigen Beobachtungsfelder erfasst, Probleme erkennt und diese zielgerichtet und effektiv behebt.