Labelchecker

RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil

Zurück
Skala (Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2020/2021):
= anspruchsvoll
= gut
= mittelmäßig
= unzureichend
= mangelhaft
= kein Fokus
RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil

Über RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil

Die sozialen Standards und die Glaubwürdigkeit des RSPO sind mittelmäßig. Positiv ist das Ziel, existenzsichernde Einkommen/Löhne schrittweise umzusetzen. Die Umweltkriterien bleiben jedoch unzureichend: Prinzipien der Agrarökologie wie Diversifizierung oder Bodenschutz werden kaum berücksichtigt. Der großflächige Monokulturanbau verändert Landschaften und Mikroklimata tiefgreifend und führt zu Boden- und Wasserverlusten. Immer wieder kommt es auf zertifizierten Plantagen zu Landkonflikten, Arbeitsrechtsverletzungen und Umweltzerstörung. Unzugängliche und langwierige Beschwerdeprozesse werden von der Zivilgesellschaft ebenso kritisiert wie Unregelmäßigkeiten in der Offenlegung von Auditberichten.

Internetseite: https://www.rspo.org

Kategorie: Lebensmittel

Bewertung von RSPO – Roundtable on Sustainable Palm Oil

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) wurde 2004 u. a. vom WWF und Unilever ins Leben gerufen. Er klärtes Ziel ist es, den Wandel hin zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Palmölproduktion aktiv mitzugestalten. Heute zählt der RSPO über 6.000 freiwillige Mitglieder in 105 Ländern und Territorien, welche sämtliche Schritte der Wertschöpfungskette abdecken: Produktion, Verarbeitung, Handel, Konsumgüterherstellung, Einzelhandel, Banken und Investor*innen, NROs aus den Bereichen Um welt- und Naturschutz, Soziales oder Entwicklungszusammenarbeit. Im Dezember 2023 umfasste die nach den RSPO-Prinzipien und -Kriterien von 2018 zertifizierte Fläche 5,2 Millionen Hektar in 23 Ländern.

Soziales

Soziales
  • Der Standard verpflichtet Unternehmen, den Anteil tariflich abgesicherter Beschäftigter zu erfassen und zu dokumentieren. Dies dient als Indikator für gewerkschaftliche Organisierung. Ein Monitoring erfolgt, jedoch ohne verpflichtende Zielvorgaben.
  • Der Standard bezieht sich zusätzlich zur ILO-Norm auf nationale oder internationale Gesetzgebungen gegen moderne Sklaverei. Alternativ oder ergänzend benennt er konkrete Risikobereiche oder gefährdete Gruppen. Maßnahmen werden nicht behandelt.
  • Der Standard verpflichtet Unternehmen zur Zahlung existenzsichernder Einkommen/ Löhne, überprüft durch Audits, Berichte und Monitoring. Vorgaben betreffen schrittweise Lohnsteigerungen, Lohntransparenz, Entschädigungen und Mindestpreise nach realen Produktionskosten.
  • Der Standard fordert Schulungen zu Arbeitsrechten, sozialen Standards und menschenrechtlicher Sorgfalt. Sie beziehen sich jedoch nicht auf klimabezogene Transformationsprozesse oder darauf, wie Arbeiter*innen in diesem Prozess gestärkt werden können.
  • Der Standard erkennt das Wissen und die Erfahrung lokaler Akteur*innen explizit an, z. B. durch Hinweise auf traditionelle Anbaumethoden oder agrarökologische Praktiken. Eine vertiefte Auseinandersetzung, Weitergabe oder Förderung fehlt jedoch.

Ökologie

Ökologie
  • Der Standard fordert weder die Diversifizierung des Anbaus, noch die Verwendung lokaler Arten und Produktionsverfahren.
  • Der Standard legt keine Einschränkung für die Verwendung von GVOs in der Lieferkette fest.
  • Der Standard fordert ein Monitoring des Wasserverbrauchs, aber nicht entlang der gesamten Lieferkette und ohne unterstützende Maßnahmen zur Ressourcenschonung.
  • Der Standard empfiehlt Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Energien und die Nutzung lokaler erneuerbarer Energiequellen, ohne verbindliche Anforderungen oder Nachweis.
  • Der Standard fordert teilweise ein Abfall- und Abwassermanagement zur Reduzierung, Wiederverwendung und zum Recycling. Abfälle und Abwasser sind so zu behandeln, dass negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit vermieden werden.
  • Der Standard empfiehlt oder fordert nur teilweise eine Beschränkung der Nutzung von Chemikalien und Pestiziden.

Glaub­würdigkeit

Glaubwürdigkeit
  • Der Standard beschreibt Verfahren zur Einbindung betroffener Gruppen, insbesondere Rechteinhaber*innen, in die Entwicklung und regelmäßige Überarbeitung des Standards. Partizipative Formate oder Konsultationsmechanismen sind verpflichtend.
  • Der Standard bietet technische Unterstützung, z. B. Schulungen oder Handreichungen. Diese sind jedoch allgemein und nicht explizit auf agrarökologische Praktiken oder einen sozialverträglichen Übergang im Sinne einer Just Transition ausgerichtet.
  • Risikobewertung oder Sorgfaltsprüfung werden gefordert, Vorgaben bleiben jedoch unpräzise oder beschränkt auf einzelne Lieferkettenstufen. Es fehlen verbindliche Verfahren, Kriterien oder eine klare Nachweispflicht für Unternehmen.
  • Audits werden von unabhängigen, externen Stellen durchgeführt und beinhalten vertrauliche Interviews mit Beschäftigten und anderen Rechteinhaber*innen. Audit-Ergebnisse sind öffentlich zugänglich, jedoch nur aggregiert, etwa in Wirkungsberichten.
  • Neben einem unabhängigen Beschwerdemechanismus enthält der Standard verbindliche Vorgaben für die Untersuchung und Behebung von Verstößen, zu Fristen, Monitoring und Rückmeldung an Betroffene. Der Umgang mit Beschwerden ist strukturiert geregelt.
  • Der Standard bezieht sich auf Agrarökologie oder Just Transition in einem holistischen Verständnis, das ökologische, soziale, politische und wirtschaftlich‑transformative Dimensionen umfasst. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung fehlen jedoch.
  • Die Produktkennzeichnung zeigt klar den Anteil zertifizierter Rohstoffe und die Lieferkettenstufen. Verbraucherfreundliche Elemente wie Symbole, Legenden oder Links werden genutzt, jedoch noch nicht konsequent oder vollständig verständlich umgesetzt.
Farbschema: